Was(s)erleben in Brandenburg an der Havel !

Der Titel ist Programm, verbindet doch die Havel wie eine Lebensader mit zahlreichen Wasser-armen die drei historischen Innenstädte Brandenburgs (Dominsel, Altstadt, Neustadt), wobei die Dominsel  (in diesen Tagen unser Standort beim BSC Süd05, Sektion Kanusport, am Burgweg 4),  als ältester Siedlungskern, auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblickt.

Der Blick auf die Karte zeigt die außergewöhnliche Wasserlandschaft in und um Brandenburg herum. Während sich im westlichen Stadtgebiet die Havel zu einer 15 Quadratkilometer großen Seenplatte erweitert, bildet im Norden der Beetzsee eine der schönsten Naturregattastrecken der Welt, was die meisten, um Meisterehren paddelnden Kanusportler vom Beyenburger Stausee aus eigener Erfahrung sicher bestätigen werden. 

Als nur wasserwandernder Kanute der Altersklasse „Methusalem“, ist darüber hinaus die Havel, von Brandenburg aus gesehen, östlich bis Ketzin, Werder oder gar Potsdam interessant sowie im Nordwesten über Premnitz und Rathenow oder gar bis Havelberg, quasi als Havel-Schlusspunkt, bevor sie sich in die Elbe ergießt.

Doch auch der pedalverliebte Paddelfreund kommt hier voll auf seine Kosten, bieten sich doch allein 8 attraktive regionale Radrouten um Brandenburg an, erstrampelt zu werden. Nimmt man das ganze Havelland sowie die angrenzenden Landkreise Landkreise Prignitz, Potsdam Mittelmark und Hoher Fläming dazu, wird es eine Sisyphus-Aufgabe für Radwanderer. 

 

Wir reisen am 14.07.2018 an und stehen erst einmal einsam und alleine auf dem schön und (nicht nur) wassersportlich perfekt gelegenen Gelände unseres Gastgebers. Der „Domstreng“, ist als zu befahrener Wasserarm eine Einbahnstraße, mit Wasseraustausch über eine Gefällstufe einer ehe-maligen Mühle, mit Speicher, die heute in eine attraktive Wohnanlage umgestaltet, die Durchfahrt verschließt.  ( 1 )

Ausflugsdampfer, Sportboote, Kajaks, Kanus und SUPs fahren tagsüber ein und aus, um auch ein-mal vom Wasser aus, den schönsten Blick auf den mehr als 800 jährigen backsteinernen Dom St. Peter und Paul nebenan zu erhaschen.  ( 8 )

Um uns herum sowie am genüberliegenden Ufer umringen uns Laubenpieper mit topgepflegten und vermutlich nur durch Vererbung zu erwerbenden Grundstücken, etliche mit direktem Zugang zum Wasser.  ( 2 + 3 ) 

Wir stehen mit Blick auf den Dom, Domstreng und Laubenpieper in der Morgensonne und werden im Tagesverlauf beschattet von umstehenden Laubbäumen. Super, wenn, wie gehabt drei Wochen Sonne im Überfluss zu ertragen ist.  Die Lage kompensiert das eher  einfache Campingangebot des BSC Süd05. Uns ist es letztlich völlig ausreichend. Zum Bäcker sind es ca. 200 Meter, zur Stadtmitte ca. 800 Meter mehr, so zentral,  ist es traumhaft ruhig in den Abend- und Nachtstunden. 

Die Stadt wächst und ist bezüglich städtebaulicher Erneuerung bemerkenswert in Schuss gebracht. Alt, hier insbesondere altehrwürdige Backsteinbauten, und neu bilden eine interessante Symbiose. Hässliche, sanierbedürftige Immobilien mit großem Investitionsvolumen sind eher Raritäten.

Wir haben schon am 15.07. das Glück im Rahmen eines privaten Public Viewing zum Endspiel der Fußball WM 2018 etliche Paddelfreunde des BSC Süd05, mit seinen ca. 50 Mitgliedern,  kennenzu-lernen. Es sind meist Rentner/innen oder Mitglieder im Rentenerwartungsalter.

Selbige erleben wir während unserer weiteren Anwesenheit mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit bei der Abwicklung ihres Trainingsprogramms. Was uns dann auch, in Anbetracht des attraktiven, abwechslungsreichen Wasserreviers, ein wenig neidisch einleuchtet. 

Wir erfahren radelnd die Stadt, die wir bereits 2008 besuchten, wieder neu und sind angenehm überrascht von den wirkungsvollen Anstrengungen der Stadterneuerung der letzten zehn Jahre. Die Umrundung des Beetzsees, der westlichen Seen Brandenburgs sowie die Touren zum Kloster Lehnin, nach Pritzerbe und nach Ketzin zeigt ähnliches im Umland.  ( 11 ) 

In Päwesin z. B., quasi am Ende des Beetzsees, erfahren wir auf süße Art und Weise von der dortigen einzigen buddhistischen Klosterschule Deutschlands. Die weiblichen Jünger des Bhagwan werben mit ihrer florierenden Konditorei namens „Backwahn“ und preiswerten, überzeugenden Produkten, so auf originelle Art für ihren Meister, zum Wohle ihres Klosterbudgets.

Mit dem Kajak ist erst einmal die Stadt Brandenburg ein Erlebnis. Wir „kurven“ auf allen Havel-armen und Kanälen durch Brandenburg (* 1), fahren uns in der Wildnis des Jacobsgrabens fest, queren die Seen im Westen, durchfahren den Beetzsee von Nord nach Süd und paddeln durch den Emster Kanal und verschiedene kleine Seen nach Lehnin, mit seinem aktiven, backsteinernen Klosterdenkmal. Aber auch die Havel bis Ketzin oder bis Pritzerbe ist jeden Flusskilometer Wert der gepaddelt wird. Da toleriert man auch gerne mal Freizeit-Kapitäne auf zu schnellen und zu lauten Motorbooten oder Hitze bedingte Algenbildung.  ( 4 / 5 / 6 / 7 / 9 / 10 / 15 )

Witzig und zugleich eine gute Geschäftsidee ist der Brandenburger REWE-Markt  an der Lucken-berger Brücke mit seinem Anleger für Boote aller Art. Da drängeln sich jetzt in der Ferienzeit Leih-hausboote und Motorboote am Steg, so dass Kajaks kaum eine Chance zum Anlegen haben. 

Mit dem Auto oder der Bahn ist man schnell in Potsdam oder Berlin. In Bad Belzig ist eine kleine aber feine Therme, in Beelitz (und auch sonst im Havelland) gibt es saisonal natürlich den berühm-ten Beelitzer Spargel, aber auch einen bemerkenswerten Baumkronenpfad über Teile der histori-schen und architektonisch anspruchsvollen Beelitzer Heilstätten, die allmählich von der Natur zurückerobert werden. Traurig, schaurig, schön.  ( 13 )

Auch per Pedes genießen wir in diesen Tagen Brandenburg. Z. B. bietet die grüne Lunge der Alt-stadt, der Humboldthain, mit seinen eindrucksvollen Baumveteranen nicht nur Schatten in Zeiten der Hitzewelle 2018 sondern zugleich auch Unterschlupf für etliche ausgewilderte Waldmöpse. 

In Bayern würde man sie wohl den Wolpertingern zuordnen, hier sind es, nach dem Motto „ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, bronzene Nachrufe für Victor von Bülow, alias Loriot, den humorigen, geachteten Sohn der Stadt.  ( 14 )

Immer wieder stößt man an Wasserarme, auf Menschen die sich darauf irgendwie fortbewegen, entlang dieser Wasserarme lustwandeln oder darin (seit Generationen) ganz oder teilweise baden, auf eine gesellige Außengastronomie und auf Kultur und Kleinkunst. 

Es macht Spaß hier zu sein, hier kann man was(s)erleben ! 

Bernd u. Ursula Dietrich

Fotos:

.1 Blick vom BSCSüd05 über den Domstreng auf die „alte Mühle“ sowie

.2 auf die gegenüberliegenden Laubenpieper, ein Fahrgastschiff und übende SUP’s

.3 Unser Stellplatz beim BSCSüd05

.4 Blick über den Wasserarm Naehtewinde auf modernisierte Lofts, den Steintor Turm und

. die einzige Umtragestelle (neben zwei Schleusen) zum Stadtkanal

.5 Blick von der Jahrtausendbrücke über den Stadtkanal auf die St. Johanniskirche, jetzt 

. Veranstaltungsort sowie 

.6 über den Stadtkanal auf die Dominsel (mit Dom)

.7 der Emster Kanal Richtung Kloster Lehnin

.8 Dom St. Peter u. Paul zu Brandenburg/Havel

.9 Stadtkanal mit Ursula und ehemaligem Kesselhaus, jetzt Restaurant + Bar + Lounge

.10 Idyll am Jacobsgraben

.11 die Jahrtausendbrücke über den Stadtkanal

.13 Baumkronenpfad über den Park und Teile der historischen (1898 – 1902 ff) und von der

. Natur zurückeroberten Beelitzer (Tuberkulose-/Lungen-) Heilstätte  

.14 Einer der 23 „ausgewilderten“ Waldmöpse im Brandenburger Stadtgebiet

.15 Verkehrsfluss auf dem Stadtkanal mit trainierenden jugendlichen Kajaken, die zur Erholung

. ein Hausboot „entern“

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